Semesterbeginn
Am Montag war Semesterbeginn - oder wie es eigentlich richtig heißt: Beginn der Vorlesungszeit. Eigentlich ist es immer wieder das Selbe. Und trotzdem, wie ich finde, einige Anekdötchen wert.
1. Erstis, oder: Wenn mein Phone smarter ist als ich!
Die TU Dortmund hat einen ganz besonderen Service für alle Erstsemester (liebevoll "Erstis" genannt): Jedes Jahr am ersten Montag im Wintersemester findet eine offizielle Begrüßung im Westfalenstadion (ich weigere mich "Signal-Iduna-Park" zu sagen) statt. Hauptattraktion ist immer der Besuch von Lass Fi... äääh Lars Ricken natürlich :D
Nun, diesen Montag machte ich den Fehler mit der Bahn zu fahren, mit der die Erstis vom Stadion zur Uni transportiert werden. Das ging noch. Der Bus danach... Nun, sagen wir mal so. Intelligenz scheint kein Kriterium zu sein um zu studieren.
Erstis stehen in der Tür. Tür geht nicht zu. Erstis merken erst nach 5 Minuten, dass sie in der Tür stehen. Nach weiteren 5 Minuten merken die Erstis dann, dass sie ja aus der Lichtschranke rausgehen könnten, damit die Tür zu geht!
Erstis müssen auch 10 Minuten vor der Haltestelle sich vor die Tür stellen. Is ja auch nicht so, dass ALLE an der Haltestelle "Universität" aussteigen. NEIN! Vielleicht kommt man ja nicht mehr raus, wenn man sich nicht während der Fahrt durch einen komplett überfüllten Bus zwängt.
In den Seminaren wird es ja nicht besser. Dozent referiert 10 Minuten darüber, dass Text X im barocken Deutsch geschrieben sei, ein wenig sperrig also, aber machbar. Ein weiterer Text ist dort angegeben als "Deutsches Wörterbuch". Ersti fragt: "Ist da auch ein Text auf deutsch bei?"
Oder: Dozent sagt, der Kurs sei für Erstsemester nicht geeignet, weil ihnen das Vorwissen fehle, welches sie erst in den Einführungsveranstaltungen lernen. Ersti: "Darf ich den Kurs jetzt nicht belegen?" - "Sie können von mir aus hier sitzen, aber sie werden nichts verstehen und die Prüfung können sie auch nicht machen." - "Heißt das, ich kann den Kurs jetzt nicht machen?" - "Wie gesagt, sie dürfen die Prüfung ohnehin nicht ablegen." - (Ersti, den Tränen nahe) "Aber ich MUSS den Kurs doch machen!!" - Nein im Studienverlaufsplan steht eindeutig, ab dem 3.!!!!!! (in Worten DRITTEN) Semester.
Gerne auch: "Wo ist Raum 2.405?" - Du stehst davor! und JA da ist ein Schild, da steht die Nummer dran, einfach mal gucken. Aber warum selber denken? Sind ja Leute da.
Und NEIN, wir waren früher NICHT so.
2. Seniorenstudenten, oder: Es zieht!
Schlimmer als Erstis sind nur Seniorenstudenten. Sie sind IMMER die ersten im Raum (weil sie ja vorher keine anderen Seminare haben), belegen sämtliche Tische und quatschen. Sie haben Butterbrote in Küchenpapier eingewickelt dabei, gerne auch mal ein hartgekochtes Ei.
Sie wissen IMMER alles besser (oder schlafen während des Seminars, oder machen andere Dinge - wie Butterbrot und Eier essen), diskutieren sinn- und ziellos mit den Dozenten und rollen genervt die Augen, wenn Studenten Prüfungsangelegenheiten absprechen. Am schlimmsten allerdings: Wegen ihnen ist der Raum überfüllt, wegen ihnen ist es warm und stickig und wegen ihnen darf man keine Fenster öffnen. Weil es ja zieht!
3. Dozenten, oder: Wer hat die größte Meise?
Einstellungsvoraussetzung für Dozenten scheint zu sein, einen möglichst großen Sprung in der Schüssel zu haben.
Da hätten wir zum einen Frau Professor F.
Frau F. hat chronisch keine Zeit, GAR keine! Sie kann zB keine Unterschrift setzen, wenn der Student nicht das Datum bereits hingeschrieben hat. Das dauert sonst zu lange! (Allerdings kann sie 10 Minuten mit dem Studenten dann darüber diskutieren). Sie kann auch nur in einem einzigen Raum Seminare halten. In dem gegenüber ihrem Büro. Eine Tür weiter ist zu weit weg, dann hätte sie keine Zeit mehr zu essen.
Interessant sind auch die Vorlesungen bei Frau Doktor H.
Frau Doktor H. ist die 666. Inkarnation der Shiva. War in ihren früheren Leben Katze, Göttin, arabische Tempeltänzerin und ist im Mittelalter als Hexe verbrannt worden. Das Passwort um auf ihre Skripte zugreifen zu können lautet "pussycat". Sie gibt unter dem Namen "Lady Shalimar" Unterricht im Bauchtanz. Und sie wird nicht müde immer wieder zu erzählen, dass ihre Eltern sie nie gewollt haben.
Und dann lernte ich noch Herrn Doktor B. kennen. Meine Kommilitonin meinte, sie könne sich ihn gut als Travestie Künstler vorstellen. Ich finde, er ist ein Doppelgänger von Tom Hilde. Er ist verdammt witzig. Heute: "Ich weiß nicht, ob sie das kennen, eher nicht. Es gibt dieses Internet. Da sind ganz viele Computer miteinander verbunden. Und dieser Internet, der gibt ihnen bestimmt eine Antwort wenn sie ihn lieb fragen!"
Außerdem bietet er Sprechstunden via Skype an.
4. Das Studentenleben, oder: Kaffee!
Aber zwischen all dem "kann man auch ne Hausarbeit schreiben?", "herrscht Anwesenheitspflicht?" und "Wieso darf ich das nicht belegen?" gibt es auch das "klassische" Studentenleben. Die Augenblicke, wo man sich einen großen Kaffee holt, vor die Cafete setzt und das Gesicht in die Sonne hält. Wenn man merkt wie Vitamin D- und Serotoninspiegel steigen und alles einfach nur schön ist.
Leider ist das Studentenleben nur wirklich selten so. Aber wenn es so ist, ist es schön.