Freitag, 1. Juli 2011
there are wounds that are nor meant to heal
Er kramte in seiner Nachttisch-Schublade. Irgendwo dort hatte er vor einigen Wochen oder gar Monaten die rote Dose verstaut. Er hatte sie nicht mehr gebraucht, nicht mehr brauchen wollen. Die Welt schien sich wieder zu drehen, mit ihm, um ihn. Die Sonne schien. So viele Dinge sind schief gegangen, so viel ist geschehen, doch immer hat er es irgendwie geschafft. Jetzt nicht mehr. Heute, an diesem Tag, diesem gewöhnlichen Freitag, da fühlte er es wieder. Da war die Kälte in ihm, die Leere, die Schwärze. Er wusste nicht einmal, wo sie herkam. Es war nichts passiert, nicht heute, nicht gestern. Trotzdem brauchte er es jetzt. Genau jetzt, in diesem Augenblick. Und er suchte die Dose, und wurde immer panischer, bis er sie endlich in Händen hielt und an sich drückte. Sein Atem beruhigte sich, als er mit eiskalten Fingern den Deckel öffnete und seinen silbern glänzenden Schatz fand. Ein leichtes Lächeln zuckte in seinen Mundwinkeln. Er strich über seinen Oberschenkel. Einige der Narben waren längst verblasst, einige konnte er noch bestimmten Situationen zuordnen. Alles in allem waren sie zu einem Teil seiner Selbst geworden, aber längst nicht mehr akut. Sie könnten alle nach und nach verblassen und die Spuren seiner Vergangenheit verschwinden. Er hätte die Dose schließen können und wieder gut verstauen, oder am besten gleich wegwerfen. Wie hätte er das können? Niemals hätte er das können. Wieder strich er über die heiße Haut seines Beines, griff mit der anderen Hand in die Dose, fühlte das kühle Metall in seinen Fingern. Er schloss die Augen. Der wohlige Schmerz breitete sich gleichmäßig in seinem Körper aus. Er lächelte selig. Alles wird gut werden.
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